Kann die neue rechts-konservative Regierung den geplanten Kahlschlag im Sozialbereich durchsetzen, die Arbeitszeiten verlängern und flexibilisieren und Vertretung der Beschäftigten schwächen? Das hängt vom gesellschaftlichen Widerstand ab. Ein wesentlicher Teil dieses Widerstandes könnten die Gewerkschaften sein. Allerdings haben die Gewerkschaften in den letzten Jahren und Jahrzehnten viel Einfluss verloren. Viele Beschäftigte sehen sich durch die Gewerkschaften nicht mehr repräsentiert. Wir wollen dieser Herausforderung an diesem Diskussionsabend mit einigen grundsätzlichen und historischen Erwägungen nachgehen. Zugleich wollen wir uns darüber unterhalten, inwiefern es neue Formen gewerkschaftlicher Organisierung gibt, die den heutigen Anforderungen gerecht werden.

Thesenartige Einführung und Diskussion. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen.

31. Oktober, 19 Uhr, ARGE Kultur, Seminarraum, 1. Stock
Ulrike-Gschwandtner-Straße 5, Salzburg

Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) im Rahmen der „Schlusskundgebung des 1. Mai-Aufmarsches der SPÖ“ am Montag, 1. Mai 2017 auf dem Rathausplatz in Wien. – FOTO: APA/HERBERT P. OCZERET

Die Gewerkschaften entstanden, als sich die Arbeiterinnen und Arbeiter zu organisieren begannen, um gemeinsam für bessere Arbeitsbedingungen einzustehen. Im Laufe der Zeit entwickelten sich die Gewerkschaften zu mächtigen Organisationen, die unsere Gesellschaften in Europa nachhaltig prägten. Sie setzten den 8-Stunden-Tag, die 48-Stunden, die 40-Stunden und mancherorts sogar die 35-Stunden-Woche durch. Viele soziale Errungenschaften, die uns selbstverständlich erscheinen, wurden nur durch die Kämpfe der Gewerkschaften und der organisierten Arbeiter_innenbewegung durchgesetzt. Ohne diese Kämpfe gäbe es viele Arbeitsschutzbestimmungen nicht und die Sozialversicherungen wären ganz normale Unternehmen zur Gewinnerzielung.

Allerdings haben die Gewerkschaften auch dazu beigetragen, dass sich widerständige Arbeiter_innen in das kapitalistische System integrierten und sich den herrschenden Spielregeln unterwarfen. Im Laufe der Zeit haben sich die Gewerkschaften zu mächtigen und oft auch ohnmächtigen bürokratischen Apparaten entwickelt, die mehr danach trachteten ihre eigenen Privilegien zu verteidigen als den mehr oder wenig prekär Beschäftigten, den eingewanderten Arbeiter_innen und den Frauen wirklich unter die Arme zu greifen, damit sie sich für ihre Interessen wirksam einsetzen können.

In verschiedenen Ländern Europas sind nun neue Gewerkschaften entstanden, die versuchen eine Basisarbeit mit den Beschäftigten zu entwickeln. Beispiele sind die Gewerkschaften solidaires in Frankreich, die verschiedenen Basiskomitees in Italien und die CGT in Spanien. In den USA haben einige Gewerkschaften Erfahrungen mit Konzepten eines social movement unionism und organizing Konzepten gemacht. Auch in Deutschland wurden Versuche in diese Richtung unternommen. Ein interessantes Beispiel ist auch die Initiative Care Revolution im Gesundheitsbereich in Wien.

Wir wollen darüber diskutieren, ob solche Ansätze dazu beitragen können, den Individualisierungstendenzen unter den Beschäftigten einerseits und der Bürokratisierung der Gewerkschaften andererseits entgegenzuwirken.


Die Zeitschrift Emanzipation hat in ihren Ausgaben 2 (2) vom Dezember 2012 und 3 (1) vom Juni 2013 interessante Analysen und Diskussionsbeiträge zu diesem Thema publiziert. Deren Lektüre ist jedoch nicht erforderlich für die Teilnahme an unserer Diskussion.

 

 

 

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